Das Schweinsbratengeschwader auf Sommertour

Fliegen macht Spaß! Und wer mit dem UL, dem Motorsegler oder mit einer Motormaschine unterwegs ist, hat am meisten davon, wenn’s weiter weg geht, in Regionen die nicht nur besonders schön, sondern auch mal ein bisschen anspruchsvoller sind als immer nur das Nord-Münsterland. Ende Juli flogen sechs Pilot*innen der Luftsportgemeinschaft Steinfurt und zwei Piloten des Luftsportvereins Aachen in einer Woche gemeinsam durch Deutschland, Tschechien, Slowenien, Italien und Österreich. Was sie dabei erlebt haben und was das Ganze mit Schweinsbraten zu tun hat, erfahrt ihr hier: 

Carla, Peter, Felix, Matthias, Johannes und Karsten aus Steinfurt sowie Andreas und Jochen aus Aachen kennen sich schon länger und wollten gemeinsam auf eine Flieger-Urlaubs-Tour gehen. Die älteren dieser Gruppe sind schon öfter zusammen geflogen; diesmal kamen noch zwei junge dazu, sodass die Altersspanne von 19 bis 68 Jahre reichte. Die Frage „Wohin denn?“ beantwortete die Flugwetterberatung des Deutschen Wetterdienstes, den wir wenige Tage zuvor angerufen und gefragt hatten, wo denn in unserer gemeinsamen Urlaubswoche das verlässlichste Flugwetter sein sollte. So machten wir uns Ende Juli auf den Weg in Richtung Südosten. 

Sonntag
Am Sonntagmittag trafen sich die sechs Steinfurter mit zwei ULs, einer Piper PA 18 und einem Motorsegler mit den zwei Rheinländern, die ebenfalls mit einem Motorsegler unterwegs waren, auf dem Flugplatz Bamberg, um von dort aus gemeinsam weiterzufliegen. Beim Abflug in Aachen schwärmte Andreas bereits: „Ui, Bamberg! Da gibt’s bestimmt leckeren Schweinsbraten mit Soß‘ und Klos! Ich freu‘ mich schon!“
Doch der Italiener am Flugplatz Bamberg enttäuschte Andreas in dieser Hinsicht, brachte uns aber sehr leckere Pizza an den Tisch. 


Wir planten, noch am selben Nachmittag nach Strunkovice in Tschechien zu fliegen und dort zu übernachten. Es wurde ein schöner Flug über den Bayrischen Wald in die südwestliche Hügellandschaft Tschechiens. Es zeigte sich, dass die beiden ULs, eine Breezer und eine CTLS, etwas schneller unterwegs sind als die Motorsegler und die Piper. Ab da heben wir uns entschieden in zwei Formationen zu fliegen.


Die Fliegerkollegen am Flugplatz Strunkovice haben uns sehr herzlich empfangen. Wir hatten Zelte, Isomatten und Schlafsäcke mit, um am Flugplatz zu campen, doch die Tschechen boten uns Zimmer mit bezogenen Betten in ihrem Clubheim an, in denen wir später sehr gut schliefen. Pavel schmiss für uns die Fritteuse an und versorgte uns mit Fritten, Salat und gebackenem Käse. Und natürlich mit leckerem tschechischen Pivo (Deutsch: Bier). Der Ruf nach Schweinsbraten ging im blubberigen Brutzeln und Zischen der Fritteuse unter. Ein Spaziergang in den nahe gelegenen Ort Strunkovice und zurück beendete den aufregenden Tag. Wir alle schliefen tief und fest und träumten vom Bayrischen Wald und den tschechischen Bergen und Seen, und einer vielleicht auch von Schweinsbraten.

Montag
Während des Frühstücks besprachen wir unsere weiteren Pläne. Wir konnten uns schonmal auf das Land einigen, Slowenien sollte es werden. Aber ob wir uns die beeindruckende Tropfsteinhöhle in Postojna anschauen wollten oder doch lieber in der Adria zu gehen wurde musste zuerst noch diskutiert werden. Mitten in unserer Planung stellten wir allerdings fest, dass der Wind über den Alpen unseren Flug Richtung Süden wohl sehr verzögern würde. Nach einem Tankstopp auf dem Flugplatz von Hosin, nördlich von Budweis, sollte es dann auf eine kürzere Strecke nach Pinkafeld im Burgenland Österreichs gehen, aber es war in den Bergen Wind bis 100 km/h angesagt, weshalb wir erst am späten Nachmittag losflogen, als sich der starke Wind gelegt haben sollte. Es hat uns westlich von Wien über den Ausläufern der Alpen dennoch heftig gebeutelt, und der Anflug auf Pinkafeld war sehr böig, sodass wir fliegerisch herausgefordert waren, unsere Flugzeuge sicher auf den Boden zu bringen. 


Flugbetriebsleiter Hans begrüßte uns herzlich und bot an, auf dem Platz zu zelten oder auch ein Zimmer zu beziehen. Als wir ihn nach Restaurants fragten, sagte er, heute sei Montag und alle hätten zu. Wenn wir noch etwas zu essen haben wollten, müssten wir in den nahen gelegenen Discounter gehen und uns dort ein Picknick kaufen. Und das müsse schnell gehen, denn der Laden mache in 20 Minuten zu. Andreas traute sich nicht, seiner Hoffnung auf Schweinsbraten noch Ausdruck zu verleihen und räumte stattdessen mit Felix und Johannes das Convenience-Regal im Hofer leer. Aus dem Picknick unter der Remise am Vorfeld der Landebahn entwickelte sich ein sehr schöner Abend zusammen mit Hans, mit dem wir alle möglichen Geschichten austauschten. Die Nacht war längst sternenklar und windstill geworden, als wir müde und glücklich in die Schlafsäcke krochen

Dienstag
Wir hatten vom Wetterdienst die Aussicht auf einen sicheren Alpenüberflug zurück nach Deutschland für Donnerstag bekommen. Somit stand einem Weiterflug nach Süden nicht im weg. Nach einem sehr netten Gespräch mit einem Mitglied des Aeroklub Postojna entschieden wir uns weiter nach Postojna im Südwesten Sloweniens zu fliegen und dort die riesigen Tropfsteinhöhlen zu besichtigen. Ganz bestimmt gäbe es dort auch endlich Schweinsbraten. 

Also los! Wir stellten zwei Flugpläne für die Flüge nach Slowenien zusammen, einen für die Motorsegler-/Piper-Formation und einen für die ULs. Weil wir das als Freizeit-Pilot*innen nicht routinemäßig draufhaben, bekamen wir jeweils einen Anruf der österreichischen Flugsicherung, in dem die freundliche Lotsin mit uns noch ein paar Details zum Flugplan klärte. Wieder was gelernt! Und wie so oft schon wurde uns bestätigt, dass wir als Nicht-Profis im Luftverkehr keine Angst vor Auslandsflügen haben müssen. Die Profis helfen freundlich weiter, auch im Funk beim Durchflug von Lufträumen, die eine Freigabe erfordern oder auch einfach im Fluginformationsdienst. Zudem haben wir als altersgemischte Gruppe erlebt, dass wir täglich voneinander lernen konnten. Die älteren unter uns wussten oft, wie’s geht oder worauf man achten muss, und die jüngeren waren schneller und zielgerichteter bei der Nutzung der Navigationssoftware und der Wetterdaten. Außerdem bekamen wir Routine darin, in einer Formation zu fliegen und diese so sicher wie möglich zu machen. Mal ganz abgesehen davon, dass es sehr schön ist, wenn man vor der oft grandiosen Kulisse der überflogenen Landschaft noch die anderen Flieger bei sich sieht.


Nach der Verabschiedung von Hans, der schon wieder Flugleiterdienst schob, flogen wir planmäßig in rund 2 Stunden nach Postojna und bekamen dort am Mittag – Pizza! Das kleine italienische Lokal stärkte uns so für den Besuch der Tropfsteinhöhlen. Andreas wurde auf den Abend vertröstet, wo wir ganz sicher endlich den ersehnten…. na, ihr wisst schon.
Die Besichtigung der Höhlen von Postojna lohnte sich sehr! Wir fuhren mit einer Bahn in den Berg und bekamen eine geführte Wanderung durch die schönsten und spektakulärsten Teile des Höhlensystems. Riesige Säle mit Tropfsteinen und Säulen wechselten sich mit schmalen Gängen ab. Die Farben spielten zwischen Weiß, Beige und Rot. Wir erfuhren vom Guide, über welche unfassbar großen Zeiträume die Höhlen entstanden waren und dass dort Grottenolme leben, von denen wir später sogar welche zu sehen bekamen. Außerdem war es dort mit 10°C angenehm kühl, wobei es draußen weit über 30° hatte. 


Raus aus der Höhle und rein ins nächste Traditionslokal in Postojna – hatten wir uns gedacht. Doch einige Restaurants waren geschlossen, und andere hatten keinen Platz für uns acht. Die Hoffnung auf Schweinsbraten aufgebend hätten wir uns sogar mit frittierten Grottenolmen im Bierteigmantel zufriedengegeben, doch das einzige Lokal, dass uns reinließ war – eine Pizzeria! Die Pizza „Würstel“ kam zwar dem Schweinsbraten in keiner Weise nahe, noch schaffte es die Pizza „Mare“ den echten Geschmack frittierter Grottenolme zu treffen, doch spätestens nach den hervorragenden italienischen Desserts waren wir alle glücklich und satt. Und eigentlich auch bettschwer. Aber als wir auf dem Fußweg zurück zum Flugplatz, wo unsere Zelte auf uns warteten, über den Marktplatz von Postojna kamen, erlebten wir ein „Umsonst-und-draußen-Konzert“ einer 12-köpfigen Brass-Band, die der Stadt einheizte – aber so richtig! Und obwohl wir kein Slowenisch sprechen und erst recht nicht textsicher waren, riss uns die Musik mit und wir fielen in der jubelnden Menge nicht weiter auf. Gut gelaunt und voller Eindrücke machten wir uns bereits im Dunkeln auf den Weg zurück zum Flugplatz, wo wir allerdings feststellen mussten das wir in der Mittagshitze zu Faul wahren unsere Zelte aufzubauen. Naja, wofür man nicht alles einen Landescheinwerfer hat 🙂

Mittwoch
Der nächste Tag brachte uns einen Flug mit atemberaubenden Ausblicken. Wir starteten wieder in zwei Formationen und mit Flugplan gegen Mittag in Postojna und hatten Trento nördlich von Bozen zum Ziel. Dort kannte Jochen einen Bergsee mit Campingplatz, wo wir baden gehen wollten. Wir planten beim Frühstück die Strecke über Triest, entlang der Adriaküste, an Venedig vorbei und dann nordwärts über den Gardasee bis in die italienischen Alpen. Kurz nach dem Start kam nach ein paar Bergen die Adria schon in Sicht. Klar konnten wir Triest links von uns liegen sehen und flogen dann in 1.400 Fuß über dem Wasser unterhalb des Luftraums D die Küste entlang. Unsere Flugzeuge lagen wie ein Brett in der Luft, wir hatten nicht viel zu navigieren und konnten uns nicht sattsehen an den Ausblicken auf das Meer und die Küstenlinie. An Venedig flogen wir südlich vorbei, aber nahe genug, um die Stadt von schräg oben zu betrachten: Kanäle, Boote, Paläste…


Bei Verona bogen wir nach Norden ab, stiegen ordentlich und flogen mittig über den Gardasee nach Trento. Es war wie das Durchfliegen einer riesigen Schlucht mit karibikfarbenem Wasser unter uns. Der Gardasee ist sicher auch vom Boden aus schön anzusehen, doch aus der Luft ist das Raumgefühl überwältigend. Unser Ziel, die Laghi di Lamar bei Trento, erreichten wir etwas später per Taxi und gingen erst einmal baden. Unser Campingplatz in der Nähe hatte eine Bar und – eine Pizzeria. Sicher müsste an dieser Stelle nichts weiter dazu gesagt werden, wäre es nicht wieder besonders lecker und freundlich gewesen! Wir saßen noch lange nach dem Essen an der Bar in der lauen Sommernacht und ließen alles noch einmal vor unserem geistigen Auge vorbeiziehen. 

Donnerstag
Der Tag der Alpenüberquerung! Wie vorhergesagt, entwickelte sich das Wetter prächtig. Wir standen früh auf, waren an diesem Tag die allerersten im Bergsee, genossen das Schwimmen mit Nebelschwaden über dem See und ein kleines Frühstück und planten unseren Flug. Am späten Vormittag hatten wir die Flugpläne aufgegeben und die Zelte abgebaut. Ein Taxi brachte uns zurück zum Flugplatz. Carla und Peter hatten mit ihrem Flieger-Freund Flo, der im Aero-Club Dachau fliegt, ausgemacht, dass wir dort übernachten konnten. Unsere Aufregung stieg. Wir wollten hoch und mit gebührendem Abstand zu den Bergen fliegen. Vor diesem Alpendurchflug hatten wir Respekt. 


Nach dem Start vom Flugplatz Trento flogen wir wieder in zwei Formationen das Etschtal entlang in die Dolomiten und stiegen dabei langsam, aber sicher auf 7.800 Fuß. Noch bevor wir Bozen erreichten, konnten wir nach links einen Blick auf die Brentagruppe werfen, die majestätisch ihre Gipfel in den Himmel reckte. Kurz darauf kam auf der rechten Seite der Sellastock in Sicht und formte mit all den weiteren Gipfeln das traumhaft schöne Dolomitenpanorama. Im Vergleich dazu erschien uns der Brennerpass, als wir ihn erreichten, nur ein kleiner Hügel zu sein. Wir schwebten jedenfalls hoch über ihn und die Europa-Autobahnbrücke hinweg nach Innsbruck. Dem Inntal folgend gelangten wir schließlich nach Mittenwald und flogen über den Walchen-, Kochel- und Starnberger See und über die Innenstadt Münchens zum Dachauer Flugplatz, wo wir -einer nach dem anderen- in kurzer Abfolge landeten. Wir hatten es nicht nur geschafft, die Alpen sicher zu überqueren, es war auch noch wunderschön!


Als wäre das alles noch nicht genug Schönes gewesen, brachte uns Flo in ein Dachauer Wirtshaus, wo es unter anderem tatsächlich den ersehnten Schweinsbraten gab! Nach der kurzen Erklärung, dass es in Bayern „Knödel“ und nicht „Kloß“ heißt, brachte die Wirtin allen, die wollten, eben solche mit Schweinsbraten und Soße. Endlich war auch dieses Ziel erreicht!


Zurück am Flugplatz hielt Flo noch ein besonderes Schmankerl bereit. Er schlug eine Münchener Stadtführung aus der Luft vor. So starteten wir als Formation mit 4 Flugzeugen und Flo als Formation-Leader im Dachauer Falken zu einem geführten München-Rundflug bei untergehender Sonne. Flo gab die Kommandos nachdem wir alle abflugbereit an der Startbahn standen: „Schweinsbraten-Geschwader Eins: Start frei!, Schweinsbraten-Geschwader Zwei: Start frei…“, bis alle in der Luft waren und die Formation eingenommen hatten. Hier bewährte sich, dass wir das Formationsfliegen geübt hatten, und wir konnten den Rundflug in ruhiger Abendluft sehr genießen. 

Freitag
Zack! Uns wurde bewusst, dass der größte Teil unserer Tour bereits vorbei war und wir so langsam wieder in Richtung Heimat fliegen würden. Matthias hatte allerdings den Luftsportfreunden Wesel versprochen, dass er ab Freitagabend bei deren Organisation und Durchführung des Aeroclub-Fly-In-NRW mithelfen würde. Wir nahmen das zum Anlass, dort gemeinsam unsere Tour zu beenden. Dieser Freitag war sehr schwül und warm, sodass wir den Flug nach Wesel mit Zwischenstopp in Reichelsheim als etwas mühseliger empfanden als die spektakulären Flüge zuvor. Doch als die Weseler Fliegerfreunde uns herzlich begrüßt und wir die Zelte aufgestellt hatten, wurde es noch ein lustiger Abend. Im Rahmen der „Pauken-Plunder-Promenade-Tage“ veranstaltete die Stadt Wesel direkt am Flugplatz ein spektakuläres Feuerwerk. Und in der Stadt war Kirmes und Volksfeststimmung, sodass wir alle so schnell nicht zur Ruhe kamen. 

Samstag
Wir unterstützten den ganzen Tag über die Weseler Flieger bei der Ausrichtung des Aeroclub-Fly-In-NRW. Natürlich gab es viele Leute zu treffen, zu erzählen und Flugzeuge zu bestaunen. Und selbstverständlich liefen auch hier die Fritteusen heiß und bogen sich die Kuchentische. Ein toller Rahmen, um sich noch einmal zu unserer Urlaubs-Tour auszutauschen und die vielen schönen Momente revue passieren zu lassen.

 Und wir waren uns einig: Die Mischung aus jüngeren und älteren Piloten*innen hat uns sehr gut getan! All diese anspruchsvollen und fantastischen Flüge gemeinsam zu planen und durchzuführen gab uns allen das Gefühl, voll dabei zu sein und gemeinsam Abenteuer zu erleben. Und es hat die Flüge sicherer gemacht, weil wir in der gemeinsamen Planung alle Eventualitäten durchgingen. 
Mit einsetzender Wehmütigkeit löste sich das Schweinsbraten-Geschwader am Abend auf. Es hatte eine ganze, wundervolle Woche lang existiert. Doch schon im Querabflug in Wesel, im Steigflug den Rhein überquerend und mit der schon rötlich scheinenden Abendsonne am Horizont wurde uns klar: Bei uns ist es auch schön! 

Wie aber auch der Innsbrucker Radarlotse nach einem langen Einleitungsanruf sagte: ,,Sie kinnan mir jo ned stundenlong irgendwelche gschichten erzählen“, wollen wir es auch dabei belassen. Aber nächstes Jahr geht es für uns ganz ganz sicher wieder gemeinsam los! 🙂

Fliegen geht auch ohne Tablet! Ein Blick der Jugend auf die 32. Offene Deutsche Meisterschaft im Rallyeflug

Vom 15.07. bis 19.07.2026 wurde der Verkehrslandeplatz nur eineinhalb Monate nach der Ausrichtung einer Segelflugmeisterschaft zum Veranstaltungsort der 32. Offenen Deutschen Meisterschaft im Rallyeflug. Carla Peters und Peter Leineweber waren als von der Bundeskommission Motorflug geförderte Jugendcrew dabei. Von ihrem tollen fliegerischen Entwicklungspfad – weg vom Tablet und hin zur komplett autarken Papierkartennavigation – berichten sie uns in diesem Beitrag.

Etwa ein Jahr ist es her, dass wir beim Deutschlandflug 2025 erstmals in die Welt des Navigationsflugs eingetaucht sind. Damals starteten wir als absolute Neulinge in der Newcomer-Kategorie und durften noch ein Tablet zur Unterstützung bei der Navigation nutzen. Wir sind Peter Leineweber und Carla Peters von der Luftsportgemeinschaft Steinfurt. Seit diesen ersten Erfahrungen waren wir bei der Deutschen Meisterschaft im Air Navigation Race 2025 in Marpingen und beim Allgäuflug 2026 dabei, haben viele Menschen aus der Navigationsflug-Community kennengelernt und dabei immer mehr Freude an dieser besonderen Art des Fliegens gefunden.

Nun wartete die nächste Herausforderung auf uns: die 32. Offene Deutsche Meisterschaft im Rallyeflug in Zwickau. Es war nach dem Allgäuflug unser zweiter Rallyeflug überhaupt. Für uns stand fest: Newcomer waren wir lange genug. Dieses Mal traten wir in der Advanced-Kategorie an (vielleicht auch durch etwas Motivation seitens der Wettbewerbsleitung). Damit verbunden waren auch der Verzicht auf den prüfenden Blick auf das Tablet während der Navigation sowie eine anspruchsvollere Flugvorbereitung mit selbst zu konstruierenden Routen und weniger Vorbereitungszeit.

Am Mittwoch, dem 15. Juli, starteten wir mit unserer ASK 16, der D-KITY, in Borghorst-Füchten. Bei schönem Wetter kamen wir gut durch und erreichten Zwickau nach rund zweieinhalb Stunden Flugzeit. Natürlich waren wir schon etwas aufgeregt. Gleichzeitig freuten wir uns sehr darauf, viele bekannte Gesichter aus vergangenen Navigationsflugevents wiederzusehen. Dieses Wiedersehen gehört für uns inzwischen genauso zu den Veranstaltungen wie das Fliegen selbst. Da wir erst abends ankamen, konnten wir die Trainingsstrecke vor Ort leider nicht mehr absolvieren. Ganz unvorbereitet waren wir jedoch nicht: Bereits zuvor hatten wir an unserem Heimatflugplatz eine nahegelegene Route eines ehemaligen Deutschlandflugs abgeflogen und dadurch ein gutes Gefühl gehabt. Trotzdem wäre es hilfreich gewesen, die Umgebung rund um Zwickau bereits aus der Luft kennenzulernen. Beim Rallyeflug orientiert man sich stark an Bodenmerkmalen und sucht entlang der Strecke nach Bildern und Zeichen. Eine unbekannte Landschaft macht die Aufgabe daher noch einmal anspruchsvoller und zugleich spannender.

Der erste große Unterschied zum Deutschlandflug zeigte sich bereits am ersten Wertungstag bei der Vorbereitung. Als Newcomer hatten wir bisher eine bereits eingezeichnete Strecke erhalten. In der Advanced-Kategorie mussten wir dieses Mal unsere Route selbst konstruieren. Auf der Karte war zunächst nur der Flugplatz Zwickau als Take-off Point eingezeichnet. Den Start Point, den Final Point und rund zehn weitere Wendepunkte mussten wir anhand von Koordinaten, Entfernungen und Richtungsangaben selbst bestimmen. Dafür arbeiteten wir mit einem Navigationsdreieck und Minutenlinealen. Anschließend zeichneten wir die Kurse und Zeitmarkierungen entlang der Strecke ein. Eine Route enthielt sogar einen Kreisbogen, bei dem sich der zu fliegende Kurs kontinuierlich veränderte; ohne Zirkel als Konstruktionsmittel wäre das nicht möglich gewesen. Für jeden zu konstruierenden Wegpunkt standen uns bei den Wertungsflügen nur drei Minuten zur Verfügung. Danach blieben weitere 15 Minuten, um das Flugzeug vom Abstellplatz bis zur Startbahn zu bringen. An eine ruhige Planung in der Halle war daher nicht zu denken. Stattdessen breiteten wir unsere Karte auf der Tragfläche der ASK 16 aus und arbeiteten konzentriert gegen die Uhr. Das Plotten machte die Vorbereitung deutlich anspruchsvoller, aber gerade diese Aufgabe bereitete uns viel Spaß. Aus einzelnen Angaben entstand Schritt für Schritt eine vollständige Route, und wenn am Ende alle Punkte zusammenpassten, war das jedes Mal ein kleines Erfolgserlebnis.

Weil das Plotten für uns noch neu war, blieb anfangs weniger Zeit, um die Streckenbilder vorab zu sichten und bereits am Boden auf der Karte möglichen Streckenabschnitten zuzuordnen. Selbst beim Rollen und beim Start suchte Carla als Navigatorin weiter, während Peter als Pilot das Flugzeug flog. Das erste Mal richtig von der Karte aufgeschaut hatte sie somit erst etwa fünf nautische Meilen hinter dem Starting Point, denn ab dort konnten die Streckenbilder erst auftauchen. Von Flug zu Flug wurden wir jedoch schneller. Die Arbeitsschritte wurden vertrauter, unsere Aufgabenteilung klarer und die Vorbereitung insgesamt routinierter. Diese Entwicklung innerhalb weniger Tage direkt zu bemerken, war ein richtig gutes Gefühl.

Die größte Veränderung war für uns das Fliegen ohne digitale Orientierungshilfe. Davor hatten wir großen Respekt. Beim Deutschlandflug konnten wir unsere Position jederzeit auf dem Tablet überprüfen. Bei der offenen Deutschen Meisterschaft in Zwickau mussten wir uns vollständig auf unsere Karte, die Landschaft, den Kompass, die Stoppuhr und unsere Zusammenarbeit verlassen, wenngleich das Tablet natürlich für den Worst Case in der Tasche dabei war. Umso schöner war der Moment, als wir auf der ersten Strecke merkten, dass die Orientierung erstaunlich gut funktionierte. Straßen, Ortschaften, Waldstücke und andere markante Geländemerkmale ließen sich auf der Karte wiederfinden. Jeder erkannte Punkt bestätigte uns, dass unsere Planung stimmte und wir auf dem richtigen Weg waren. Ohne den Blick auf einen Bildschirm fühlte sich die Navigation viel unmittelbarer an. Wir beschäftigten uns intensiver mit der Landschaft und merkten, dass wir auf unsere eigenen Fähigkeiten vertrauen konnten. Das Tablet wegzulassen war daher nicht nur eine zusätzliche Schwierigkeit, sondern vor allem ein großer Entwicklungsschritt. Nach dem ersten Wertungsflug wussten wir: Wir können eine Wettbewerbsstrecke auch ohne digitale Positionsanzeige bewältigen und sicher am Zielort ankommen.

Die Orientierung war allerdings nur ein Teil der Aufgabe. Uns wurde klar, wie viel im Cockpit parallel bei uns als Crew passieren muss: Kurs und Zeit kontrollieren, die Landschaft mit der Karte abgleichen, Wendepunkte erkennen und zusätzlich nach Streckenbildern und kleinen Bodenzeichen suchen. Für unseren zweiten Rallyeflugwettbewerb überhaupt gab es eine Menge zu tun. Während die Navigation überraschend gut funktionierte, bereitete uns die Bildersuche deutlich mehr Schwierigkeiten. Die Bodenzeichen fanden wir gar nicht, und auch bei den Streckenfotos sammelten wir einige Strafpunkte. Genau hier liegt für uns noch viel Potenzial für die nächsten Wettbewerbe. Unser zweiter Wertungsflug wurde, gerechnet nach Strafpunkten, zu unserem Besten. Die Vorbereitung verlief bereits routinierter, die Navigationsstrafpunkte waren geringer, und auch die am Ende des Fluges durchzuführende Präzisionslandung gelang besser als beim ersten Flug.

Auf dem dritten Flug verflogen wir uns gegen Ende kurz. Ohne Tablet gibt es in einem solchen Moment keinen Bildschirm, der sofort den Weg zurück zur Route zeigt. Trotzdem blieben wir ruhig, verglichen gemeinsam Karte und Landschaft und arbeiteten strukturiert an einer Lösung, wodurch wir nach kurzer Zeit wieder auf Kurs waren. Der Fehler kostete uns zwar Punkte, zeigt zugleich aber, wie gut wir inzwischen als Team zusammenarbeiten. Gerade wenn nicht alles nach Plan läuft, ist es wichtig, ruhig zu bleiben, klar zu kommunizieren und gemeinsam die Orientierung zurückzugewinnen.

Am Ende erreichten wir den zweiten Platz in der Advanced-Kategorie. Die Platzierung war für uns deshalb weniger wichtig als das, was wir während der Meisterschaft gelernt hatten. Wir hatten erstmals eigene Wettbewerbsrouten konstruiert, unter gewissen Zeitdruck gearbeitet und drei Strecken ohne digitale Navigationshilfe bewältigt. Von Flug zu Flug wurden unsere Abläufe sicherer, und wir merkten deutlich, wie viel wir in einem Jahr fliegerisch dazugelernt hatten. Vor allem hatten wir dabei jede Menge Spaß und viele Aha-Momente. Nach jedem Flug gab es etwas, worüber wir uns freuen, lachen oder das wir beim nächsten Mal verbessern konnten.

Mindestens genauso wichtig wie der Wettbewerb war für uns die Community. Schon bei der Ankunft wurden wir von vielen bekannten Gesichtern herzlich begrüßt. Die gemeinsamen Abende boten viel Zeit für Gespräche und den Erfahrungsaustausch. Besonders schön war der Grillabend am Freitag. Nach den Wertungsflügen konnten wir zusammensitzen, die Erlebnisse des Tages besprechen und uns den einen oder anderen Tipp von den erfahreneren Crews holen. Wir erlebten viel Unterstützung und Offenheit. Fragen wurden gerne beantwortet und Erfahrungen geteilt. Gerade für uns als noch relativ junge Crew ist diese Atmosphäre unglaublich motivierend. Außerdem lernten wir das zweite geförderte Jugendteam mit Leon und Tim aus Koblenz kennen. Wir hoffen sehr, die beiden bei vielen weiteren Navigationsflugveranstaltungen wiederzutreffen.

Am Samstag fand keine weitere Wertung statt. Dafür wartete noch ein besonderes Erlebnis auf uns: Gemeinsam mit der D-EHUZ und der D-EMSM starteten wir zu einem Formationsflug, bei dem Fotos der Flugzeuge in der Luft aufgenommen wurden. Gemeinsam mit den anderen Flugzeugen unterwegs zu sein war ein wunderschöner Abschluss der Woche. Dieser Flug hatte zwar nichts mehr mit Wendepunkten oder Strafpunkten zu tun, gehört aber trotzdem zu unseren schönsten Erinnerungen an die Meisterschaft. Am Samstagabend machten wir uns schließlich auf den Heimweg; mit vielen neuen Erfahrungen, schönen Begegnungen und großer Vorfreude auf alles, was noch kommt.

Vor einem Jahr wussten wir beim Deutschlandflug noch nicht genau, was uns im Navigationsflug erwarten würde. Inzwischen haben wir mehrere Veranstaltungen besucht, viele Menschen wiedergetroffen und uns immer neuen Herausforderungen gestellt. Die Deutsche Meisterschaft im Rallyeflug war für uns ein besonderer Meilenstein. Das erste Mal ohne Tablet zu fliegen und die Route selbst zu konstruieren, hatte uns zuvor Respekt eingeflößt. Am Ende war es aber genau diese Herausforderung, die uns viel Freude und Vertrauen in unsere Fähigkeiten gab. Wir wissen nun, dass wir uns auch ohne digitale Hilfe orientieren können. Wir haben gelernt, unter Zeitdruck eine Route vorzubereiten und auch in schwierigen Situationen als Team ruhig und strukturiert zusammenzuarbeiten. Natürlich gibt es noch viel zu verbessern, aber genau darauf freuen wir uns. Es gibt noch so viel zu lernen und auszuprobieren.

Eines steht für uns fest: Der Navigationsflug wird uns so schnell nicht wieder loslassen. Wir freuen uns schon auf die nächsten Veranstaltungen, neue Herausforderungen und darauf, immer weiter in diese tolle Community hineinzuwachsen.

Unser herzlicher Dank gilt der Bundeskommission Motorflug für die Jugendförderung, den Organisatorinnen und Organisatoren in Zwickau sowie allen Crews, die uns unterstützt und ihre Erfahrungen mit uns geteilt haben. Ein besonderer Dank gilt dem Aero-Club Zwickau, der sich mit viel Engagement ganz abseits der sportlichen Herausforderung um ein einzigartiges Erlebnis an seinem wunderschönen Flugplatz in Sachsen kümmerte.

Text: Carla Peters, Peter Leineweber & Oliver Meindl
Fotos: Tom Illgner, Carla Peters & Peter Leineweber